02.09.20 Zentendorf
Das war es also, daß Highlight des Jahres 2000 (bis jetzt) und wohl auch so eines der coolsten Konzerte
das diese Band jemals gespielt hat. Angefangen hat aber alles wie immer: chaotisch, stressig und wenig
organisiert. Die Herdringer waren wie üblich ca. 30 Minuten zu spät, weil die Batterie des Weckers
unseres Tin-Whistle-Spielers ausgerechnet in dieser Nacht den Geist aufgab (!!??) Carlo hat sich bei der
Anreise zum Proberaum noch schnell einen Nagel in den Reifen gefahren und mußte zur nächsten
Servicestation zum Reifenwechseln, und der Akkordeonspieler träumte wahrscheinlich noch von den
Erlebnissen des Vorabends. Alles in allem also gute Voraussetzungen für ein lustiges Wochenende irgendwo
in der Nähe von Polen. Wenn nicht da diese 670 KM wären. So gings dann wieder Mal diese heissgeliebte
Strecke lang. Kassel, Bad Hersfeld, Eisenach, Erfurt, Weimar, Jena, Gera, Dresden. Mittlerweile kennen
wir da jede Baustelle und jede Autobahnraststätte. ".. aber landschaftlich sehr reizvoll!" Irgendwann
kamen wir dann in Görlitz an und von da aus waren es dann nochmal 20 KM bis wir an einem kleinem
Waldstück die ersten Schilder sahen: Folklorum 2000. Dieses Folklorum 2000 ist nur sehr schwer zu
beschreiben. Irgendwie ein großer Abenteuerspielplatz für kleine und große Kinder. Alles aus Holz,
alles selbst gebaut und alles ziemlich beeindruckend. Nachdem wir erst mal die üblichen "wer seid Ihr
denn..."-Prozeduren hinter uns gebracht hatten, mischten wir uns unters Volk. Die ersten Schwierigkeiten
am Bierwagen wurden auch schnell gelöst (DM 27,00 für drei Bier), die zweiten Schwierigkeiten beim
Ausladen unserer Instrumente waren schon schwieriger zu lösen ("das ist eine Feuerwehrzufahrt"), aber
nachdem wir das hinter uns hatten konnte es losgehen. Wir sollten also auf der großen Bühne spielen,
einer ziemlich großen Anlage in der Form eines Amphitheaters. Schon bei unserer "Vorgruppe", dem
alternativ-israelischem-Tanzkreis war eine Bombenstimmung. Dies gab uns zu denken, denn bei uns wird
ja auch schon einmal mit E-Gitarrn gearbeitet und irgendwie schienen die Leute hier doch sehr
Traditionell drauf zu sein. Zumindest
wurden wir als "Polyesterhemd-Träger" schon schief angeschaut. Und Schuhe hatten wir auch noch an.
Nachdem die Band vor uns Ihren "Tanzkurs" (kein Scherz!!) beendet hatte, konnten wir mit dem Soundcheck
beginnen, und wie sich das für ein Lady Godiva-Konzert gehört begann es auch spontan an zu regnen. Es
begann nicht irgendwie an zu regnen. Es hat gepisst wie blöde und wir ahnten das schlimmste. Als wir
dann aber anfingen ging es, und nach den ersten 2-3 Liedern war's dann trocken und auf einmal voll. Und
zwar richtig voll. So ca. 1500 Leute standen da und feierten eine riesige, megageniale Schlammparty. Und
wir standen oben auf der Bühne und konnten nicht fassen was da gerade abging. Das war einfach nur
unglaublich. Eigentlich sollten wir nur 1 Stunde spielen, aber nach 100 Minuten standen wir irgendwie
immer noch auf der Bühne und gaben Gas. Nach dem Gig standen dann ca. 60 Leute auf der Bühne und
belagerten die Band. Also wird sich auch Carlo freuen, der ist nämlich der Mann für die Finanzen.
Um 21.30 war der "Spuk" dann vorbei, wir waren fix und fertig, die Instrumente waren wieder im Auto
und wir verbrachten den Abend mit Hiss, Teenage Idols, Paprika-Leberkäse-Spiessen und mit Liebe
gezapftem Bier. Irgendwie schafften wir es sogar 2 junge Mädels zu überreden, die uns dann auf
Schleichwegen bis zu unserem Hotel fuhren. Leider haben wir die Namen vergessen, aber nochmals vielen
Dank an dieser Stelle.
Das Hotel war dann auch wieder so ein Erlebnis. Da schläft man auf Dutzenden von Gigs auf Bundeswehr-
Feldbetten und auf Iso-Matten und irgendwann landet man dann auf einmal im "Hotel Mercure" (mit Blick
auf Polen). Das haben wir wirklich nicht verdient. 4 Sterne, eigener Porno-Kanal, Marmorbadezimmer und
gut sortierte Minibar. Und nach dem Einchecken um 3.00 Uhr nachts trifft man an der Hotelbar noch eine
Band namens SCYCS. Wirklich nett war's mit SCYCS. Die neue Single von denen heißt übrigens: Last
September oder so ähnlich. Calpi und der Punters Plunsch haben auch wieder sehr lecker geschmeckt und
das Frühstück am nächsten Morgen war auch mehr als üppig. Thomas spricht in solchen Fällen gerne von
"Gaumenkitzler". Tja, daß war also das Folklorum 2000. Ein echtes Erlebnis. Wenn nicht da immer diese
670 KM zurück wären. Aber diesmal hat es sich richtig gelohnt. Hoffentlich ist unser Bus inzwischen
durch den TÜV gekommen.
08.09.00 Wolfhagen / Naumburg
Wer dieses Tagebuch kennt, der weiß das wir an dieser Stelle über unsere Erlebnisse "auf Tour"
berichten. Es ist bei uns immer so, daß wir unsere Party an den Ort verlegen, wo gerade mal ein Konzert
von uns stattfindet. Deshalb gibt es in diesem Tourtagebuch auch immer ein paar Geschichten über die
Party "danach" und über eine Menge lustiger Dinge die wir zusammen erleben. Außerdem besteht diese Band
ja aus insgesamt 9 Leuten (inklusive Stormy und Kentop) die alle keine Kinder von Traurigkeit sind, so
daß auch immer etwas passiert, was es Wert ist erzählt zu werden. Wir haben im Laufe der Zeit wirklich
viel (für "unsere" Verhältnisse) gesehen, erlebt und viele nette Leute kennengelernt und mit denen
mächtig Spaß gehabt. Auch der Freitag in Wolfshagen war "eigentlich" wie immer. Doch leider gab es
einen Zwischenfall den wohl keiner von uns in so einer Art jemals erlebt hat. Mit ein wenig Abstand
betrachtet war das alles ziemlich beängstigend. Daher gibt's auch von unserm Konzert nicht viel zu
berichten. Nur soviel: die Organisation war Super, der Veranstalter nett wie selten und die Gäste
(alles Hardcore-Biker) gut drauf. Daher ist es vor allem für diese Leute sehr schade, was kurz nach
unserem Konzert abging. Dort trafen nämlich zwei Motorradgangs (die berühmtesten beiden der Welt)
aufeinander. Mit Messern, Baseballschlägern und Totschlägern. Zwei "Niedergestochene", eine
Nierenquetschung, zwei zertrümmerte Kniescheiben und Schienbeine waren das Resultat. Nach 5 Minuten
war der Spuk vorbei. Der erste Rettungswagen war nach ner´halben Stunde da und die Polizei kam so nach
einer Stunde und war verhältnissmässig "untätig". In dieser Zeit lagen die blutenden Rocker "in der
Gegend" herum und wurden von den Kumpels versorgt. Und wir standen mittendrin und konnten es nicht
glauben. Kämen wir aus Hamburg oder Frankfurt wäre das vielleicht normal, aber wir kommen nun mal aus
dem Sauerland und das ganze passierte in einem Kuhkaff auf dem Lande irgendwo bei Kassel. Wir
unterhielten uns an diesem Abend noch mit vielen Leuten aus der Szene und was da zwischen den "Banden" abgeht, kann sich wohl keiner vorstellen.
Nachvollziehen kann man es sowieso nicht. Es geht wohl um eine Menge Kohle. Aber auch auf einem
friedlichen Motorradtreffen in Wolfhagen?
Wir spülten diesen ganzen Scheiß mit ein paar Rocker-Cocktails runter (Whisky-Weinbrand-Wodka),
ließen uns in die Künste des Schnapstrinkens einweihen ("bei gutem Wodka brennt die ganze Zunge")
und fielen dann irgendwann in unsere Ikea-Hochbetten, die man im Clubhaus für uns aufgebaut hatte.
Irgendwann kam dann auch Thomas "Inge Meysel" Rünker nach Hause. Leider hatte er sich an dem leckeren
Gyros etwas dem Magen verdorben, so daß er immer mal wieder einen kleinen "Zwischenstopp" einlegen
mußte. Hoffentlich wird es in Eisenach alles ein wenig entspannter. Trotzdem vielen Dank für alles
an die Veranstalter, Stoffel, Heiko und den Rest der Truppe.
16.09.00 Eisenach
Man könnte das Tagebuch kopieren. Diese verflixte A 44 wird unser ständiger Begleiter. Bereits zum
vierten der fünften Mal hintereinander gings bis nach Kassel und dieses mal wieder rechts runter nach
Eisenach. Lobend erwähnen muss man aber dieses Mal die Herdringer. Die waren doch tatsächlich um 5 vor
12 am Proberaum. Das erste und wahrscheinlich einzige Mal in 6 Jahren Lady Godiva. Hut ab. Daher ging's
auch ziemlich pünktlich nach Ampen, wo wir unseren heutigen Tourmischer Dirk abholten. Stormy war auf
Kegeltour und Dirk hatte spontan zugesagt mit nach Eisenach zu kommen. Er sollte es nicht bereuen. Ingo
fuhr uns sicher bis auf den Parkplatz des Irish-Pub in Eisenach, obwohl er hinterher beichtete, dass die
Bremsen schon mal besser "gezogen" hätten. Durch den TÜV wird er (der Bus, nicht Ingo) es wohl trotzdem
schaffen. In Eisenach standen wir erst Mal vor verschlossenen Türen. Irgendwann machte dann die
Küchenchefin auf und liess uns in die grösste Kneipe der Stadt. Wieder Mal kam Neid in uns auf .
Warum nicht einfach so ein Laden bei uns? Riesen-Saal, toll und gemütlich eingerichtet mit einer Bühne
die genau die richtige Grösse für uns hatte. Das liess doch viel erwarten. Der Aufbau und Soundcheck
waren dank Dirk kein Problem, so dass wir ziemlich viel ausprobieren und tüfteln konnten. Wir hatten
ja auch heute noch viel vor, denn es war Moonwalk-Festival. Die Idee dieses Festivals ist genauso einfach
wie genial: 10 Bands spielen in 10 Kneipen. Der Besucher bezahlt einmal Eintritt und kann sich aussuchen
welche Band er sehen will. Die Bands spielen zu jeder vollen Stunde ein 40-Minuten-Set und danach ist
Kneipenwechsel angesagt. Bei uns war es vom ersten Set (um 20.00 Uhr) bis zum letzten Set um 24.00 immer
voll. Die Stimmung war super obwohl doch ziemlich viele Tische im Raum standen. Das war uns aber auch egal,
denn wir hatten wieder mächtig Spass auf der Bühne. Endlich wissen wir, wie sich die TOP 40 Bands fühlen.
Spielen, Pause machen, trinken, spielen, Pause machen und wieder trinken. In diesem Zusammenhang (TOP 40-Band)
fiel auch folgender Satz an dem eine Menge dran ist: Musiker sind Nutten, aber Cover-Bands
sind der Strassenstrich. Verstanden??
Das war heute in Eisenach mit Abstand der härteste (weil längste) Gig den wir bis jetzt gespielt haben.
Insgesamt zweimal unseren ganzen Ablauf und noch ein Best-of-Set als Zugabe. Das waren dann insgesamt 220
Minuten Lady Godiva Vollgas inklusive dem improvisierten Cest-la-vie-Backround-Chor, bestehend aus Ingo,
Carlo, Christian und Jan. Den Leuten hat´s wohl gefallen obwohl sie wahrscheinlich einiges nicht so ganz
verstanden haben. Wenn es nach dem Publikum gegangen wäre, dann hätten wir noch ein Set dran hängen können,
aber irgendwann war bei uns Tilt. Na, ja, wir wollen nicht meckern, denn die Wirtin sorgte wie eine Mutter
für uns und nach dem endlos-nervenden Abbau tranken wir noch einen leckeren "Scheidebecher" an der Theke.
Den Bus liessen wir stehen und machten eine Taxi-Rallye in unser Hotel. Dort meinte man es auch wieder sehr
gut mit uns. Marriott. Fast so schön wie das Mercure, nur leider war die Hotelbar schon geschlossen. Also
waren wir dieses Mal richtig solide und fielen in die Kiste. Nach leckerem Continantal-Breakfast am
nächsten Tag durfte Ingo den lustigen Verein wieder ins Sauerland lenken und damit hätten wir das
Wochenende auch schon wieder gut rum gekriegt. Danke an Dirk für einen Super-Job. Das war mit Sicherheit
nicht das letzte Mal.
Am Freitag geht's nach Höxter, wo wir noch eine "offene Rechnung" zu begleichen haben und dann ist erst
Mal Open-Air-Tour Ende. Die CD wartet schon..
weiter | zurück